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Aus der Weltimkerei

Abb. 1 Ulmo

Abb. 2 Quillay

Peumus boldus - "Huflattichbaum"

Die Fuchie wird von Bienen beflogen

Honigtau auf Pappel

Verpackungsarten für Honig

Honigtau auf Klee

Wanderung bei Colmenares im Bestäubungsservice

Rogans Völker mit Blick auf Vulcano Osorno

Spannende Zuchtvolkinspektion

Die Standimkerei Rogan Franz

Artikel, erschienen in "Bienen aktuell" 1. Jahrgang, Nov. 2007, Seite 16 -19

Chile – ein gutes Land für die Imkerei

Pechhacker M. und H. und Mandl St., ARGE Bienenforschung BOKU, Wien bzw. 3293 – Lunz am See; Dallhammer A., Tod H., ehemals Institut für Bienenkunde, 3293 – Lunz am See

hc.pechhacker@eunet.at

Allgemeines

Chile beherbergte von Natur aus so wie ganz Amerika keine Honigbienen. Erst die europäischen Kolonialisten brachten ihre Bienen mit. Die Bienenrasse stammte jeweils aus dem Land der Siedler. Daher ist die heutige „Landbiene“ Chiles ein buntes Rassengemisch, alles andere als sanft und auch nicht besonders produktiv. Neuerdings werden wieder Bienen aus Frankreich, Nordamerika und aus Österreich (ACA-Zuchtmaterial) in die Population eingebracht.

Geimkert wird in Chile von Aisen im Süden (Patagonien – dort gibt es noch eine varroafreie Berufsimkerei!) bis in die Oasen der Atacama-Wüste im Norden (aber dort wurde schon überall die Varroa eingeschleppt). Das Varroaproblem hat in den letzten paar Jahrzehnten die sogenannte „back yard“-Imkerei = Kleinimkerei fast völlig zum Verschwinden gebracht. Es gibt faktisch nur Nebenerwerbsimkereien (mit meist über 100 Völkern) und Großimkereien mit bis über 5.000 Völkern. Die zum Teil industrielle Landwirtschaft muss von diesen übrig gebliebenen Großimkern die Bestäubungsleistung zukaufen.

Die Tracht

Die botanischen Besonderheiten der südlichen Halbkugel wirken sich sehr stark auf die Tracht aus. So haben Chile und das südliche Argentinien als einzige Länder der Welt eine ganz besondere Trachtpflanze: den Ulmo (Eucryphia cordifolia, Familie Eucryphiaceae; Abb. 1). Neben diesem wichtigen Trachtbaum kommen noch andere heimische Holzarten (Quillaja saponaria – Abb. 2, Peumus boldus – Abb. 3, u.a.) und aus Europa, Australien oder Nordamerika eingeführte Nutzpflanzen (Sonnenblume, Raps, Zitrusfrüchte, Eukalyptus und verschiedene Obstarten) mit sehr gutem Trachtangebot vor. Von Oktober bis Ende Februar herrscht mehr oder weniger durchgehend gute Tracht – wenn man ihr nachwandert! Die durchschnittlichen Honigerträge bewegen sich zwischen 30 und 70 kg pro Volk, je nachdem ob und wie intensiv gewandert wird.

Ein nationales Wahrzeichen ist die Araukarie. Sie liefert aber höchstens Honigtau. Auf viel, vor allem eingeführten Baumarten wird reichlich Honigtau angeboten und von den Bienen auch genutzt (Abb. 4 und 5).

Abb. 1:

Der Ulmo ist ein mächtiger Waldbaum mit einer Überfülle an Blüten und einer einmonatigen Blühdauer (Ende Jänner bis Ende Februar). Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Temuco nach Süden und der Insel Chiloe. Ulmohonig hat ein sehr feines Aroma und er ist in der Regel von bester sensorischer und physikalisch-chemischer Qualität.

Abb. 2:

Der Laubbaum Quillay (Quillaja saponaria) gehört zu den Rosengewächsen. Er ist sehr attraktiv für die Bienen und blüht den ganzen Dezember. Quillay findet man weiter nördlich, etwa zwischen Temuco und Santiago. Auch dieser Honig ist von hervorragender Qualität und entspricht sehr dem europäischen Geschmack.

Abb. 3:

Ein Kuriosum ist der von den Bienen stark beflogene Baum Peumus boldus, ein Korblütler mit dem Huflattich ähnlichen Blüten. Welche Bedeutung er für die Tracht hat, ist schwer zu sagen, da dieser Baum im Ulmogebiet und auch zur gleichen Zeit wie Ulmo blüht. In den Honigblasenversuchen ist diese Pflanze neben Ulmo nur in verschwindendem Anteil an der Tracht aufgefallen.

Abb. 4:

Auch die im südlichen Chile weit verbreitete Fuchsie (Fuchsii maghellanica) wird von Pollensammlerinnen gerne angeflogen.

Abb. 5 und 6:

Honigtausammelnde Biene auf der aus Europa eingeführten Pappel und Honigtau auf Rotklee (hier sitzen die Blattläuse auch innerhalb des Blütenküpfchens).

Der Honigmarkt

Der qualitativ und geschmacklich hervorragende Honig wird nach Japan, Nordamerika und zunehmend auch nach Europa exportiert. Ein Betrieb lieferte zum Beispiel in der Woche unseres Besuches 88 t Bio-Honig nach Hamburg. Der Preis lag bei knapp zwei Euro pro kg – frei Hafen Hamburg. Die Imkereien bemühen sich auch intensiv um den inländischen Markt. Der Honig wird hier oft in eigenartig anmutenden Verpackungen (Abb. 7) angeboten. In der Produktion wird generell großer Wert auf Qualität und Naturbelassenheit gelegt.

Abb. 7:

Verschiedene Verpackungsformen von Honig für den lokalen Markt (Pappbecher, verschweißte Plastikbecher, Gläser).

Probleme der chilenischen Imkerei

Die Varroamilbe ist das große Problem der Imkerei in Chile. Im Winter 2003 gab es erhebliche Verluste durch Varroa – trotz ständiger Befallskontrolle und mehrmaliger Behandlung. Manche Carnicalinien aus Österreich haben auffallend gut abgeschnitten, hier gab es deutlich weniger Verluste.

Neben Bayvarol und anderen (zugelassenen oder auch illegalen) Mitteln werden vor allem Ameisensäure und Oxalsäure, aber auch Thymolpräparate gegen die Varroa eingesetzt. Da aber die Bienenvölker (nur im Süden!) höchstens zwei Monate brutfrei sind, ist die Varroavermehrung hoch und die Bekämpfung schwierig. Es muss daher auch zwischen den Trachtperioden behandelt werden, Noch gibt es eine kleine varroafreie Zone in Patagonien (Süden). Die Bienenvölker in den Oasen der Atacama-Wüste sind bereits befallen.

So wie überall auf der Welt ist die Amerikanische Faulbrut als anzeigepflichtige Bienenkrankheit auch in Chile in der Berufsimkerei gefürchtet. Andere Bienenkrankheiten (Tracheenmilbe, Brutkrankheiten, Nosema) sind vorhanden, aber kein wirkliches Problem. Schäden durch Pflanzenschutzmaßnahmen sind besonders im Bestäubungseinsatz an der Tagesordnung.

Vorstellung von zwei Imkereien Colmenares Santa Ines (Curico)

Dieser Betrieb bewirtschaftet bis zu 7.000 Völker und er ist ein nach EU-Verordnungen zertifizierter Biobetrieb. Derzeit sind 25 Personen im Betrieb beschäftigt. Es wird sehr viel gewandert (Bestäubungsservice, Trachtnutzung). Eine Wanderung kann durchaus 1.000 km Nonstopfahrt auf Lastwagen mit Anhänger bedeuten (Abb. 8). Wegen des Bestäubungseinsatzes ist der Gesamthonigertrag niedriger und liegt bei 200 bis 250 Tonnen pro Jahr. Es werden zunehmend Anstrengungen unternommen, möglichst viel Honig auf dem Inlandsmarkt abzusetzen, denn der Weltmarktpreis ist nicht befriedigend. Geschleudert wird zentral im modern ausgebauten „Honeyhouse“ in Curico. Der Betrieb hat eine eigene Mittelwanderzeugung mit geschlossenem Wachskreislauf.

Seit 2002 wird der gesamte Betrieb nach und nach auf selektierte Carnica aus Österreich (anfangs Institut Lunz am See und jetzt ACA) umgestellt. Was ein Volk zu leisten im Stande ist bzw. was die Natur in Chile ermöglicht,, soll das Beispiel einer aus Österreich importierten Carnicakönigin zeigen: Nach der Importquarantäne wurde die Königin im Oktober in einen Ableger mit einer verdeckelten Brutwabe (Dadantmaß) und zusätzlich einer mit Bienen besetzten Wabe eingeweiselt. Ende Februar hatte dieser Ableger bereits 145 (!) kg gewogenen Honig gebracht! Verständlich, dass heute bei der Carnica unter Einsatz einer sehr guten Belegstelle und der künstlichen Besamung intensive Zuchtauslese betrieben wird – und in Zusammenarbeit mit anderen Carnicaimkern in Chile bereitsw eine CCA = Chilenean Carnica Association gegründet wurde. Neben der Honigleistung und der Sanftmut wird in der Zuchtauslese vor allem der Varroatoleranz besonderes Augenmerk geschenkt.

Die Varroakontrolle ist in diesem Betrieb sehr schwierig. Wegen der Bioimkerei wird ausschließlich mit Ameisensäure behandelt (derzeit mit in Österreich entwickelten und in Chile erzeugten rein organischen „Tabletten“). Grundsätzlich wird am Ende der Saison = zu Winterbeginn (März / April) massiv behandelt. Zu Frühlingsbeginn (August / September) wird der Varroabefall kontrolliert und eventuell wieder behandelt. Eine unbedingt notwendige Behandlung erfolgt im Sommer in einer kurzen Trachtlücke Ende Dezember / Anfang Jänner. Eine effektive Befallskontrolle ist möglich, weil jeder Beutenboden ein rund 25 x 25 cm große Bodenlüftung hat und eine Tasse zum Aufsammeln des Varroaabfalles eingeschoben werden kann. Diese Bodenlüftung wurde auch für die Wanderung nach der Einfuhr der Carnica notwendig, da die Carnicavölker für die Wanderung zu stark wurden und zu viele Völker verbrausten. Vor einer Wanderung werden nämlich die Völker immer abgeerntet und ohne Berücksichtigung der Volkstärke auf den Brutraum und eine Flachzarge (mit zusammen geschobenen Leerwaben, damit ein Aufkettungsraum unterhalb des Gitterdeckels entsteht) eingeengt. Diese radikale Maßnahme ermöglicht den Transport von 400 Völkern pro LKW-Ladung (Abb. 8).

Das Bestäubungsservice 2004:

- 2.000 Völker wurden auf einer Plantage für rund 400 ha Cranberry (Vaccinium macrocarpon, ähnliche unserer europäischen Preiselbeere): Für 4 Wochen werden 70 US$ pro Volk bezahlt und pro Woche Verlängerung weitere 10 US$. Der Cranberrybetrieb will jetzt (2007) seine Anbaufläche verdoppeln. Dieser Betrieb wirtschaftet vollkommen biologisch, es gibt daher keine Probleme mit Schäden durch Pflanzenschutzmittel.

- 1.800 Völker wurden in einem Luzerne-Saatgutbetrieb für 50 US$ pro Volk eingesetzt. Es kam hier allerdings zu erheblichen Bienenvergiftungen durch Spritzmittel.

- Zusätzlich werden auch Völker in der Sonnenblume oder Heidelbeere zur Bestäubung aufgestellt.

Abb. 8:

Wanderung von 400 Bienenvölkern auf einer einzigen Ladung. Die Be- und Entladung der Völker geschieht „händisch“. Die Völker sind „honigleer“ und daher relativ leicht.

Imkerei Karl Heinz bzw. Rogan Franz

Dieser Betrieb bewirtschaftet nahe des berühmten Vulcano Osorno zwischen 500 und 750 Völker in Form einer Standimkerei auf einem einzigen Standort! (Abb. 9, 10 und 11). Der durchschnittliche Ertrag von 50 bis 60 kg Honig pro Volk und Jahr ist bei der extrem hohen Völkerdichte erstaunlich. Der gesamte Honig wird im Inland vermarktet. Es wird so wie im Betrieb von Curico ohne Absperrgitter geimkert. Geschleudert wird meist nur einmal.

Zwischen 1969 und 1971 importierte Karl Heinz Franz (der Vater von Rogan) Carnicaköniginnen von der damaligen Bundesanstalt für Bienenkunde, Außenstelle Lunz am See. Seit dieser Zeit selektierte Franz diese Carnicabiene weiter. Wir sind einen halben Tag durch den Bienenstand gegangen und haben alle Zuchtvölker inspiziert – ohne Rauch und ohne Stiche! Für diese exzellente Zuchtarbeit hat die Imkerei Franz eine gesetzliche Schutzzone um ihre Imkerei gewährt bekommen. Kein anderer Imker darf näher als 5 km an diesen Betrieb heranwandern. Rogan Franz ist ebenfalls aktives Mitglied des neuen Chilenischen Carnica-Zuchtverbandes.

Rogan Franz bearbeitet seine Imkerei heute gemeinsam mit seiner Frau – ohne zusätzliche Arbeitskräfte. „Aufgrund der Standimkerei habe ich geringe Produktionskosten und wegen dem relativ guten Honigpreis durch die Vermarktung im Inland erziele ich ein befriedigendes Einkommen“ meint Rogan Franz.

Abb. 9, 10 und 11:

Der Bienenstand von Karl Heinz und Rogan Franz, Bienenvölker mit dem Vulkan Osorno im Hintergrund und Rogan Franz beim nicht ungefährlichen Öffnen eines Zuchtvolkes

Es wurde auch noch eine dritte Imkerei in Patagonien nahe Aisen besucht. Der Imker Viktor Schwenke ist schwer allergisch auf Bienengift. Bisher hat er ständig „bienendicht“ arbeiten müssen, um keine Stiche zu riskieren. Seit er jetzt auf Carnica umgestellt hat, wagt er sich ohne Probleme wieder ohne Schleier und Handschuhe an die Bienenvölker.

Zukunftsaspekte

Die besuchten Carnicaimkereien haben heute alle große wissenschaftliche Ambitionen. Es bestehen enge Beziehungen zu den verschiedenen Universitäten des Landes. Eine möglichst einfache, wirksame und rückstandsfreie Varroabehandlung ist ein wichtiges Ziel. Bestäubungsversuche (wir haben 2003, 2004 und 2007 an Versuchen mitgearbeitet) und Forschung zur Verbesserung der Produktqualität und zur besseren Trachtnutzung sind weitere Ziele.

Im Bereich Zuchtauslese wird eine enge und permanente Zusammenarbeit mit Österreich und Deutschland (Institut Kirchhain und ACA) angestrebt. Sollte Österreich Bienenköniginnen aus Chile importieren dürfen, wäre diese Zusammenarbeit auch zum Vorteil unserer österreichischen Carnicazucht, denn in Chile herrschen nahezu ideale Selektionsbedingungen.

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