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Die Zucht der Honigbiene

Genresourcenschutz - Schutz unserer heimischen Bienenrassen

Varroatoleranzzucht in der ACA

Eine Gruppe engagierter ACA-Züchter aus dem Burgenland, der Steiermark und Kärnten hat sich im Rahmen eines „Projekt Varroatoleranzzucht“ zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen Die Gruppe arbeitet nach dem Vorbild der Vitalitätsteststandorte der deutschen Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (AGT). So betreibt jedes Mitglied der Projektgruppe an vorselektierten (bereits zuchtwertgeschätzten) Völkern ebenfalls einen Vitalitätstest. Hier werden die Völker unter regelmäßiger Befallskontrolle nicht gegen Varroa behandelt. Wird die kritische Befallsschwelle erreicht oder bereits überschritten, wird das entsprechende Volk aus dem Test herausgenommen. Von den widerstandsfähigsten Völkern wird nachgezogen. Die Töchterköniginnen werden auf einer mit den besten, unbehandelten Völkern bestückten Belegstelle begattet.

Die bisherigen Ergebnisse sind sehr vielversprechend.

Detaillierte Informationen sind im downloadfile Projekt-Varoatolanz.ppt angegeben.

Zucht dient dem Schutz der heinmischen Bienenrassen.

Das internationale Zuchtprogramm = Zuchtprogramm der ACA: siehe unten "ACA-Reglerment" zum Herunterladen

Institut Kirchhain (Dr. R. Büchler): "Die neue bienenschonende Varroa-Befallsmessung" (siehe unten downloadfile "Varroa-Befallskontrolle mit Puderzucker.pdf"; siehe auch www.bieneninstitut-kirchhain.de )

Wichtige Begriffe sind

- das Allel = eine mögliche Ausprägung an einem bestimmten Genort (Locus); Mz. Allele (z.B. gibt es für den Genort „Färbung des Chitinpanzers“ u.a. die Allele gelb(G) und schwarz (g).

- Genotyp: Tierische und Pflanzliche Organismen besitzen eine diploiden (doppelten) Chromosomensatz. Sie haben also für einen Genort immer 2 Allele, die die tatsächliche Gestaltung der Eigenschaften bestimmen.

- Phänotyp: ist das Ergebnis, das nach außen sichtbar ist. Das Erscheinungsbild der Organismen ist abhängig vom Genotyp und auch Umwelteinflüssen (für die Panzerfarbe aber nur in untergeordneter Rolle).

Der Zuchterfolg

SE = SD x h2

SE = Selektionserfolg (Zuchterfolg) pro Zuchtgeneration

SD = Selektionsdifferenz (Differenz im Selektionsmerkmal zwischen dem Durchschnitt aller Prüfvölker einer Zuchtpopulation und dem Durchschnitt der eingesetzten Zuchtmütter)

h2 = Heritabilität (Maß für die Erblichkeit des Selektionsmerkmales)

Das ist eine heute schon überholte Formel, die im Prinzip nur für die Eigenleistung gilt. Die heutige Berechnung des Zuchterfolges erfolgt unter Einbeziehung aller verwandten Tiere.

Einige allgemeine, aber wichtige Dinge der Zucht:

Zuchtzielformulierung:

- das Zuchtziel (Leistungsprüfkriterium) – was will ich durch Zuchtauslese erreichen, muss klar formuliert sein

- dabei ist es wichtig, dass dieses Zuchtziel permanent und konsequent verfolgt wird. Ständiges Wechseln von Zuchtzielen führt zu nichts.

- Zuchtziele müssen auch bei der Biene wirtschaftlichen Zielen folgen (honey is money, Varroatoleranz, Sanftmut, Wabensitz und Schwarmneigung sind ebenfalls wichtig. Nosemaanfälligkeit z.B. kann unbeachtet bleiben, da diese die Honigleistung beeinflusst und indirekt mit dieser selektiert wird).

- Mehrere Zuchtziele (Selektionskriterien) können nach einer (wirtschaftlichen) Gewichtung zu einem Selektionsindex zusammengefasst werden.

- Man kann auch ein primäres Selektionskriterium wählen (z.B. die Honigleistung, weil diese klar monetär gewichtet werden kann) und die anderen Kriterien sekundär berücksichtigen oder z.B. für die Sanftmut ab einem gewissen (niedrigen) Zuchtwert einen „Ausschlußwert“ festlegen – das heißt, von einem aggressiven Volk wird auch bei bestem ZuchtwertHonig nicht nachgezogen oder umgekehrt bei einem besonders gutem ZuchtwertVarroatoleranz wird auch bei schlechterem ZuchtwertHonig die Königin zur Nachzucht für die nächste Generation herangezogen.

Jeder Punkt ist für den Erfolg der Zucht wichtig! Wichtig dabei ist besonders auch die Berücksichtigung aller neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse! Die Zusammenarbeit der ACA mit der deutschen AGT garantiert die Optimierung der Zuchtarbeit.

Der Zuchterfolg in einer anderen Berechnung:

ΔG / Jahr = ( i . rIG . sg) / T

ΔG / Jahr = Zuchtfortschritt (Zuchterfolg) pro Jahr; um wie viel kg Honig steigt in der Zuchtpopulation die durchschnittliche Leistung pro Jahr (nach letzten Berechnungen von Bienefeld derzeit um rund 0,25 kg pro Volk und Jahr)

i = Selektionsintensität; wie viel Prozent Tiere von der Gesamtanzahl der geprüften Tiere werden zur Nachzucht verwendet (ohne dass Inzuchtgefahr besteht). Je größer die Anzahl der Prüfvölker (Zuchtpopulation), desto größer ist der Faktor i. Daher ist (internationale!) Zusammenarbeit in der Zucht / in einem Zuchtverband enorm wichtig. Der Einzelzüchter wird bei (quantitativen Leistungs-) Merkmal wenig erreichen.

rIG = Korrelation zwischen tatsächlichen (genetischen) Zuchtwert und geschätztem Zuchtwert; Genauigkeit der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung. Dieser Faktor von h2, von der Genauigkeit der Merkmalsbeurteilung und Methode der Zuchtwertschätzung beeinflusst. h2 ist von der Natur vorgegeben, die Genauigkeit der Merkmalsbeurteilung hängt einerseits von Methode und Sorgfalt der Leistungsprüfung und andererseits (bei der Biene) von der Prüfgruppengröße / Prüfgruppenanzahl (und damit von der Prüfvölkeranzahl) ab, weil ich bei einer großen Population größere Prüfgruppen von einer größeren Anzahl von Zuchtköniginnen genauer prüfen kann. In dieser Beziehung ist auch für den Faktor rIG die Populationsgröße von Bedeutung.

Einen großen Einfluss auf den Faktor rIG hat auch die Methode der Zuchtwertschätzung. Die derzeit eindeutig beste Methode ist das von Bienefeld verwendete BLUP Tiermodell (BLUP steht für „die beste unvoreingenommen Vorhersage“). Dabei ist es besonders wichtig, dass neben der Eigenleistung auch die Leistung verwandter Tiere in die Zuchtwertschätzung einbezogen werden können

sg = genetisch additive Varianz; Größe der tatsächlich vererbbaren genetischen Unterschiede zwischen den geprüften Tieren. Dieser Faktor ist von der Natur vorgegeben und kann nicht beeinflusst werden, außer man bringt fremdes, genetisch besseres Material in die Population ein; zu beachten: bessere Leistung durch Heterosis (durch Kreuzung) ist nicht vererbbar! Auch hier spielt die Populationsgröße eine wichtige Rolle, weil erst in großen Zuchtpopulationen die genetisch additive Varianz gut genutzt werden kann.

T = Selektionsintervall in Jahren; in welchem Intervall kommt es zu einer neuen Prüfgeneration / Generation von Zuchttieren – bei der Honigbiene T = 2 (jedes zweite Jahr eine neue Generation, bei intensiver internationaler Zusammenarbeit z.B. zwischen Europa und Chile wäre sogar 1 Generationen pro Jahr möglich; T = 1). In der Bienenzucht kann / soll nach jedem Prüfjahrahr eine neue Generation von Prüfvölkern neuer Zuchtvölker / Drohnenvölker angelegt werden.

HP, 4.11.08

Bedeutung der internationalen Zuchtdatenbank für Imkerei, Landwirtschaft und Umwelt - im Vergleich mit der Biene Österrreich Zuchtdatenbank siehe downloadfile "vergleich zuchtdatenbanken"

AGT - Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht:: files (Methodenhandbuch, Zucht- und Prüfordnung) zum Herunterladen unter www.toleranzzucht.de

Die ACA-Lebensnummer

ZUCHT IST FORTSCHRITT - FORTSCHRITT FÜR ALLE IMKER UND NICHT NUR FÜR DEN ZÜCHTER SELBST!

Die Lebensnummern bleiben immer gleich - ausser das Jahr wird jeweils geändert

Der Einfachheit halber wurde schon für 2006 vereinbart, dass die Lebensnummern (den Lebensnummernblock) von 2006 an beibehalten und nur die Jahreszahl z.B. auf 2007 oder 2008 usw. geändert werden muss.

Die komplette Lebensnummer sieht dann laut dem Beispiel Betrieb 110 so aus:

99 – 110 – 10001 – 2007

99: Ländercode für Österreich

110: Persönliche Betriebsnummer

10001: Die erste Lebensnummer des 2006 zugewiesenen Lebensnummernblockes 10001 bis 10300. Die erste Ziffer (in diesem Fall die 1) entspricht dem Bundesland.

2007: Jahr

Für die laufende Arbeit im Zuchtbuch wird zum Beispiel nur die Nummer 10001 2007, 10002 2007 usw. verwendet Im Zuchtausweis (wenn eine Königin verkauft oder zur Fremdprüfung weitergegeben wird) und in der Standliste gebt aber für die Königinnen unbedingt dann die gesamte Nummer mit 99 (= ACA) und der Betriebsnummer (im Beispiel 110) an (siehe oben)!!!

Wer Lebensnummern braucht, weil mehr oder überhaupt welche gebraucht werden; melde sich beim zuständigen Landesbeauftragten oder bei

Hermann: 07486 8989 und hc.pechhacker@aca.at oder Ortwin Lamprecht: 04268 / 27 80 und lamprecht.aca@aon.at

IN ZUKUNFT KANN STATT DES NUMMERNBLOCKES AUCH DIE "NORMALE" ZUCHTBUCHNUMMER (1, 2,3 4 USW. ) VERWENDET WERDEN!!! FÜR DIE ALTEN KÖNIGINNEN MÜSSEN ABER DIE 5-STELLIGEN NUMMERN BEIBEHALTEN WERDEN.

Eine Lebensnummer würde dann folgend lauten:

99 110 1 2011 für die erste Königin des Jahres 2011 oder z.B 99 110 215 2011 für die letzte Königin 2011.


Gedanken zur Zuchtwertschätzung der ACA

Grundlegende Überlegungen – 4 Tatsachen:

  1. Die Leistungen eines Bienenvolkes sind nur zu einem kleineren aber trotzdem wesentlichen Teil von der genetischen Veranlagung bestimmt. So ist zum Beispiel die beobachtete Streuung (Varianz) von Leistungen in einer Population nur zu 25-30% (bei Honigleistung) bzw. knapp über 10% (Varroatoleranz; nach neueren Schätzungen von Bienefeld aufgrund besserer Merkmalsbeurteilung zwischen 18 und 20%) von der Genetik begründet. Der Rest der gesamten Streuung kommt durch systematische Umwelteffekte oder schlicht durch Zufall zustande. Dieser Anteil der erblich bedingten Streuung wird auch als Heritabilität (Erblichkeitsgrad) bezeichnet.
  2. Aufgrund dieser Tatsache ist also die alleinige Verwendung einer einzigen Eigenleistung für die Berechnung eines Zuchtwertes nicht ausreichend. Zuchtwerte sind immer nur geschätzte Werte und der tatsächliche Zuchtwert bleibt unbekannt, aber bei dieser Berechnung würde jedem Zuchtwert ein mehr oder weniger großer Fehler anhaften und zwangsläufig zu falschen Selektionsentscheidungen führen. Um den Zuchtwert exakter zu ermitteln, oder anders gesagt die Störfaktoren zu reduzieren, muss eine Königin mehrmals geprüft werden (wiederholte Prüfung), was zum Beispiel für die Eigenschaft Sanftmut gut möglich ist, oder es müssen Leistungen von verwandten Tieren (Vorfahren, Nachkommen, Seitenverwandte) in die Überlegung mit einbezogen werden. Diese Tiere haben ja einen Teil ihrer Gene mit dem geprüften Tier gemeinsam (Anteil abhängig vom Verwandtschaftsverhältnis).
  3. Die Leistungen eines Bienenvolkes, das richtigerweise von uns Imkern als eine biologische Einheit angesehen wird, kommen durch das Zusammenwirken vieler verschiedener (auch genetisch verschiedener) Tiere zustande. Eine wichtige Rolle spielt die Königin, die vor allem durch die Eilage und die Abgabe der Königinnensubstanz zum Gedeihen es Volkes beiträgt. Dies wird als maternaler Effekt („Königinneneffekt“) bezeichnet. Auf der anderen Seite wird sie von vielen Arbeiterinnen (ihren Töchtern) unterstützt und diese führen auch die Sammeltätigkeit durch. Diese Wirkung wird als Arbeiterinneneffekt bezeichnet. Genetisch gesehen sind es allerdings 2 Generationen, die von unterschiedlichen Müttern und Vätern abstammen. Die Prüfkönigin stammt von der Zuchtmutter und deren Anpaarung ab. Die Arbeiterinnen sind Töchter der Prüfkönigin und deren Anpaarung. Geeignetes Selektionskriterium ist daher die Summe der beiden Zuchtwerte für den Königinneneffekt und den Arbeiterinneneffekt bezüglich eines Leistungsmerkmales. Angegeben wird dieser Wert dann immer in % zum Populationsdurchschnitt, um eine rasche Bewertung durch den anwendenden Züchter zu ermöglichen.
  4. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anpaarung nicht ein einziger Vater ist, sondern verschiedene Drohnen, oft auch von verschiedenen Drohnenvölkern abstammend. Um die Berücksichtigung der väterlichen Seite in der ZWS zu ermöglichen, werden meist Geschwisterköniginnen als Drohnenvölker einer Belegstelle verwendet, sodass man die Abstammung einer Arbeiterin im Prüfvolk dann auf eine gemeinsame Drohnengroßmutter (Mutter der eigentlichen genetischen Väter) zurückführen kann.

Alle diese züchterischen Tatsachen werden in dem Verfahren zur Zuchtwertschätzung berücksichtigt, das die ACA gemeinsam mit dem deutschen Zuchtverband AGT verwendet. Es wird als BLUP-Tiermodell bezeichnet und ist heute auch der Standard in der ZWS für Rinder, Schweine und sogar für Rassehunde! BLUP steht für „best linear unbiased prediction“ (beste lineare unverzerrte Schätzung – die geschätzten Zuchtwerte zeigen Minimumvarianz zu den tatsächlichen unbekannten Zuchtwerten). Tiermodell steht dafür, dass aufgrund des Stammbaumes aller Zuchttiere alle Leistungen von verwandten Tieren, gewichtet nach dem Grad des Verwandtschaftsverhältnisses zum Prüftier, bei der Berechnung der Zuchtwerte berücksichtigt werden. Außerdem werden für alle Leistungsmerkmale Zuchtwerte aufgrund der „Königinnen-“ und „Arbeiterinneneffekte“ berechnet. Zuchtwerte werden errechnet für Honigleistung, Varroatoleranz, Sanftmut, Wabensitz und Schwarmneigung.

Diese und weiterführende Informationen können sie auch auf der Homepage des Länderinstitut für Bienenkunde in Hohenneuendorf (Berlin) nachlesen: www2.hu-berlin.de/bienenkunde. Dr. Kaspar Bienefeld ist dort für die Zuchtwertschätzung verantwortlich. MP, 22.11.07

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Zuchtwerte für neu in Zuchtauslese genommenes Material und

Hinweis zur Auswahl der Drohnenvölker

Weil es auch interessant ist (besonders zur Auswahl der Drohnenlinien für die Belegstellen), für die Mütter der Prüfköniginnen Zuchtwerte zu haben (wenn neue Herkünfte aufgenommen werden), nachstehend folgender mit Bienefeld abgesprochener Vorgang (das gilt für jede neu in die Zuchtauslese hereingenommenen Linien / Prüfgruppen!):

  • wurde die Mutter auch in der Saison 2007 mit geprüft, vergebt dieser Königin eine Lebensnummer mit der Jahrzahl 2005 (sonst bekommen wir vom LIB immer wieder Rückfragen „Mutter und Töchter gleich alt?“) und gebt ihre Prüfdaten ein. Ihr Zuchtwert wird dann aufgrund ihrer Eigenleistung und der Leistung ihrer Töchter berechnet.
  • gibt es für die Mutterkönigin von der heurigen Saison keine aber von der Saison 2006 doch eine Leistung, die sich auf einen bestimmten Standdurchschnitt bezieht, so kann diese Leistung auf den heurigen Standdurchschnitt korrigiert und mit den Verhaltenseigenschaften in die heurige Leistungslist eingetragen werden.

Ein allgemeiner Hinweis:

Für die Auswahl der Drohnenlinien muss der Zuchtwert der Mutter der Drohnenvölker herangezogen werden. Der Zuchtwert der Mutter wird bei der Zuchtwertsschätzung ihrer Töchter unter Berücksichtigung auch dieser Töchterleistungen verändert. Das heißt, dass der Zuchtwert der Mutter der gewünschten Drohnenvölker dem Zuchtwert der Drohnen selbst entspricht. In der Liste der Drohnenvölker ist dies auch jeweils berücksichtigt. HP, 13.11.07

Bilder aus der Zucht

Umlarven gehört heute zur Routinetechnik in der Königinnenaufzucht

Eine solche Zuchtlatte läßt das Herz jedes Züchters höher schlagen!

Solch verbaute Zuchtlatten sind in guten Honigjahren an der Tagesordnung

Schwarmzellen sind nicht der Weg der ACA-Zucht

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