Geschichte

Geschichte der ACA und der Bienenzucht in Österreich

 

Im Juli 1992 wurde die ACA am Institut für Bienenkunde in Lunz am See gegründet. Man war sich einig, dass man als Zuchtverband wesentlich mehr in der Zucht erreichen kann, als als einzelner Züchter. In den ersten fünf Jahren war die ACA Teil des Österreichischen Imkerbundes. 1997 entwickelte sie sich zu einem unabhängigen Verein. Die Selektion auf eine eigenständige Varroa-Abwehr der Bienen war, neben Sanftmut, Wabensitz, Schwarmneigung, Honigertrag, Kalkbrutresistenz und Winterfestigkeit, schon von Anfang an ein wichtiges Zuchtziel. Nach der Gründung in Lunz, war die Zentrale der ACA zwischenzeitlich in Graz, Linz und Lunz und ist zur Zeit wieder in Graz. Allein daraus ist schon zu erkennen, dass es sich um einen sehr aktiven Verein handelt, der ständig in Bewegung ist.

 

2002 kam es zu einem richtungsweisenden Wendepunkt für die ACA. Interne Meinungsverschiedenheiten führten zum Verlust des Zuchtwertschätzprogrammes, einem hinterlassenen Schuldenberg und einer Abspaltung einer Hand voll Züchter. Die ACA machte aus der Not eine Tugend. Sie schloss sich der internationalen Gemeinschaft von Carnica-Züchtern an, welche beebreed, das weltweit modernste Zuchtwertschätzprogramm für Honigbienen, verwendet, und mittlerweile über 8000 Zuchtvölker pro Jahr prüft. Zusammen mit anderen beebreed Carnica-Züchtern aus Deutschland und anderen Ländern begann man sich auf die Selektion einer Varroa-Abwehr zu spezialisieren und tauscht jedes Jahr Königinnen, deren Zuchtwerte mit den eigenen kompatibel sind.

 

2015 wurden die beiden jungen ACA Züchter Dr. Kärcher und Dr. Thurner bei der Tagung in Mieming ins kalte Wasser geworfen und leiteten zum ersten Mal eine ACA Tagung, weil der noch amtierende Obmann Dr. Pechhacker bereits körperlich stark geschwächt war. Am 10. Juli 2016 verstarb der Gründer und langjährige Obmann der ACA Dr. Hermann Pechhacker. Ohne seinen Einsatz hätte die ACA ab 2002 nicht mehr bestanden. Nach der Neuwahl 2016 machte es sich eine Gruppe hochmotivierter ACA Mitglieder unter der Leitung des neuen Obmanns Dr. Kärcher zum Ziel die ACA in kurzer Zeit wieder auf den Stand der Technik zu bringen. Nach etlichen, lebhaften Vorstandssitzungen und Jahreshauptversammlungen kristallisierte sich ein erweiterter Vorstand mit Kassaprüfern heraus, welche harmonisch zusammenarbeiteten und die ACA wieder zur Höchstform brachten: Mittlerweile besteht die ACA aus ca. 200 aktiven Mitgliedern und ist damit der mit Abstand größte Carnica-Zuchtverband Österreichs und einer der größten Carnica-Zuchtverbände weltweit. Die ACA besteht aus auffallend vielen jungen Mitgliedern und sichert damit die Anzahl an Prüfvölkern und folglich auch die genetische Vielfalt ihrer Zuchtpopulation für die Zukunft. Der Verein ist finanziell unabhängig von der Biene Österreich, veranstaltet jedes Jahr eine internationale Züchtertagung und mehrere Ausbildungskurse für Züchter, betreibt ca. 30 Belegstellen, bietet über 30 Drohnenabstammungen über die künstliche Besamung an, prüft ca. 1500 Zuchtvölker pro Jahr und misst bei ca. 70% aller Prüfvölker die Varroa-Abwehr.

 

Aber was war vor 1992? 1948 wurde das Bieneninstitut Lunz am See von Dr. Friedrich Ruttner gegründet und zusammen mit seinem Bruder Hans Ruttner und einigen wissenschaftlichen Mitarbeitern jahrzehntelang erfolgreich betrieben. Später war dieses Institut auch die erste Zentrale der ACA. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde es sechs Jahre lang über eine Abgabe je Imker vom Österreichischen Imkerbund finanziert. Später wurde es Teil der Bundesanstalt für Bienenkunde. Der Forschungsschwerpunkt lag in der Verbesserung der Zucht der Honigbiene, wofür es auch heute noch weltweit unter Bienenwissenschaftlern bekannt ist. In Zusammenarbeit mit deutschen Wissenschaftlern, wie z.B. dem Ehepaar Prof. Koeniger, wurden in Lunz am See die wichtigsten Untersuchungen über die Paarungsbiologie der Honigbiene durchgeführt. Das Institut war bekannt für seine zur damaligen Zeit fortschrittliche Carnica-Linienreinzucht (z.B. Wintersbach, Troiseck 1075) und entwickelte damit die Linien der drei österreichischen „Urzüchter“ Wrisnig (Steiermark), Peschetz (Kärnten) und Sklenar (Niederösterreich) erfolgreich weiter. Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden österreichische Carnica-Reinzuchtköniginnen europaweit und später weltweit wegen ihrer herausragenden Leistung versandt. Österreich ist damit auch das Land mit der längsten Bienenzuchttradition. Das Bieneninstitut Lunz am See arbeitete intensiv mit den deutschen Bieneninstituten und der Universität für Bodenkultur Wien zusammen und war maßgeblich an der Gründung der chilenischen Carnica Vereinigung beteiligt. Die heute in Chile, Deutschland, Australien, China, Russland und vielen anderen Ländern der Welt verwendeten Honigbienen stammen zu einem großen Teil vom Bieneninstitut in Lunz am See ab. Vor ca. 10 Jahren wurde das Bieneninstitut Lunz am See jedoch bedauerlicherweise ersatzlos geschlossen. Die Genetik der Carnica-Stämme der drei Urzüchter, welche in Lunz weiterbearbeitet worden ist, existiert jedoch noch heute in der Zuchtpopulation der ACA, natürlich nicht mehr als Linien getrennt, und wird von ihren Züchtern in Hinblick auf die heutigen Herausforderungen, wie z.B. der Varroa-Milbe, laufend verbessert.